Mantrailing mit Hund

Wie die Personensuche funktioniert und was Ihr davon habt
Dein Hund schnüffelt an einer Hausecke. Du wartest. Er schnüffelt weiter. Für Dich ist da nichts zu sehen, was diesen Aufenthalt rechtfertigt. Dein Hund sieht das aber ganz anders.
Beim Mantrailing kannst Du Dir genauer anschauen, was er mit seiner Nase alles leistet: Er sucht einen bestimmten Menschen anhand seines individuellen Geruchs. Du gehst an einer langen Leine mit und lernst, sein Verhalten während der Suche zu lesen.
Dafür kommen Hunde jeder Rasse und Größe infrage, auch junge, ältere oder gehandicapte Hunde. Wie Ihr anfangt, hängt davon ab, in schnell Dein Hund in eine hohe Erregungslage kommt, wie fit er ist und was ihn zur Suche motiviert. Und Du wirst merken, dass man am anderen Ende der Leine einiges lernen kann.
Wie Mantrailing funktioniert
Eine Person stellt einen Gegenstand mit ihrem Geruch zur Verfügung, zum Beispiel ein getragenes T-Shirt. Anschließend geht sie voraus und wartet am vereinbarten Ziel. Im Training nennen wir sie meist Versteckperson. Das T-Shirt ist der Geruchsartikel: Dein Hund riecht daran und lernt, nach der Person zu suchen, zu der dieser Geruch gehört.

Trail“ ist das englische Wort für Spur. Wie schwer sie zu verfolgen ist, hängt unter anderem vom Wind, vom Untergrund und davon ab, wie lange die Person schon unterwegs ist. Auch die Erfahrung Deines Hundes spielt eine Rolle. Die Grundlagen erklärt der BRH Bundesverband Rettungshunde.
Am Anfang reichen kurze Strecken in einer ruhigen Umgebung. Dein Hund soll verstehen, wen er sucht, und sich über die Belohnung am Ziel freuen. Schwieriger darf es später werden.
Was Dein Hund beim Mantrailing eigentlich riecht
Wir geben ständig Geruchsstoffe an unsere Umgebung ab. Ein Teil davon entsteht an der Haut, unter anderem durch die dort lebenden Mikroorganismen, etwa Bakterien. Auch an winzigen Hautpartikeln haften solche Mikroorganismen, deren Stoffwechsel Gerüche entstehen lässt. Unser Geruch bleibt außerdem an Kleidung und an Gegenständen zurück, die wir berühren.
Am Geruchsartikel lernt Dein Hund das Geruchsbild der gesuchten Person kennen. Er übt, es von den Gerüchen anderer Menschen zu unterscheiden und ihm zu folgen. Welche einzelnen Bestandteile dieses Gemischs er auf einem bestimmten Trail nutzt, können wir ihm beim Suchen allerdings nicht ansehen.
Du kannst Dir die Spur nicht als schmalen Streifen vorstellen, der genau auf den Fußabdrücken liegt. Wind trägt Geruch weiter. An einer Hausecke verteilt er sich anders als auf einer freien Fläche. Auch Temperatur, Feuchtigkeit und Untergrund verändern die Bedingungen.
An einer Kreuzung waren vielleicht schon zahlreiche andere Menschen unterwegs. Dazu kommen all die übrigen Gerüche der Umgebung. Dein Hund muss zwischen ihnen die Hinweise auf die gesuchte Person finden und herausfinden, wo es weitergeht. Du kannst danebenstehen und bekommst von dieser Geruchswelt kaum etwas mit.
Das ist eine beachtliche Leistung. Dein Hund nimmt schwache Geruchshinweise wahr und lernt, sie trotz Ablenkung zu verfolgen. Dazu kann auch gehören, dass er anhält, seitlich sucht oder ein Stück zurückgeht. Vielleicht muss er die Spur erst wiederfinden oder genauer prüfen. Für uns wirkt das manchmal umständlich, obwohl wir selbst nicht einmal wissen, wonach es dort riecht.
Mantrailing ist für alle Hunde da
Grundsätzlich kann jeder Hund Mantrailing lernen. Ein Chihuahua kommt dafür genauso infrage wie ein Schäferhund, ein Mischling ebenso wie ein Rassehund. Allerdings ist zu sagen, dass manche Hunde generisch bedingt mehr mit der Nase suchen als andere und somit mehr Motivation zeigen könnten.
Manche Hunde suchen von Anfang an ausdauernd. Andere brauchen erst ein paar kurze, einfache Aufgaben, um Gefallen daran zu finden. Wir schauen, was Deinen Hund motiviert und wie viel er sich gerade zutraut. Ein junger Hund fängt spielerisch an und sucht nur kurz. Ein Hund mit Erfahrung kann sich an schwierigeren Spuren versuchen.
Rasse und Größe sagen also wenig darüber aus, wie Ihr beginnen solltet. Dafür müssen wir Deinen Hund kennenlernen und sehen, wie er mit der Suche zurechtkommt.
Mantrailing bis ins hohe Alter und mit Handicap
Auch ein älterer Hund kann noch neue Suchaufgaben lernen. Wenn lange Strecken anstrengend werden, suchen wir auf kürzeren Wegen und machen mehr Pausen. Kurze Suchaufgaben können ihm weiterhin Freude machen, auch wenn er körperlich nicht mehr so belastbar ist.
Bei bekannten Erkrankungen oder einem Handicap ist Mantrailing ebenfalls möglich, sofern die Belastung für Deinen Hund geeignet ist. Kläre das vorher in Deiner Tierarztpraxis. Danach können wir besprechen, welcher Untergrund, welche Streckenlänge und welche Bedingungen beim Training für ihn infrage kommen. Gesundheitliche Grenzen gehen dabei vor.
Was Mantrailing Deinem Hund bringt
Endlich ausgiebig schnüffeln
Dein Hund darf tun, was er besonders gut kann und vermutlich ohnehin gern macht: schnüffeln. Er bekommt Zeit, einen Geruch zu untersuchen und ihm nachzugehen. Wenn Du sonst regelmäßig neben ihm stehst und auf die Fortsetzung des Spaziergangs hoffst, ist das für Euch beide eine schöne Gelegenheit. Du gehst auf sein Interesse ein und kannst miterleben, wie er die Spur verfolgt.
Beschäftigung für jagdlich motivierte Hunde
Für Hunde, die gern Geruchsspuren verfolgen, aber nicht jagdlich geführt werden, kann Mantrailing eine gute Auslastung sein. Sie können suchen und einer Spur nachgehen, während Du sie an der Leine begleitest. Das ist Jagdverhalten, welches sie kontrolliert ausleben dürfen!
Ruhige Bewegung als Ausgleich
Wir können Trails so legen, dass Dein Hund sich in Ruhe bewegt und Zeit zum Schnüffeln hat. Die Länge und der Untergrund lassen sich an seine Kondition anpassen. Er muss dabei weder springen noch auf Signal schnelle Wendungen laufen.
Wenn Ihr sonst Agility macht oder beim Treibball viel Tempo aufnehmt, kann das ein schöner Ausgleich sein. Allerdings ist nicht jeder Hund beim Trailen von selbst gemütlich unterwegs. Manche legen ordentlich los. Wie schnell Dein Hund sucht und wie aufgeregt er dabei wird, behalten wir deshalb im Blick.
Sich auf eine Suche konzentrieren

Dein Hund lernt, einem bestimmten Geruch zu folgen, auch wenn unterwegs andere Dinge interessant sind. Damit übt er, länger bei einer Sache zu bleiben. Wir beginnen dort, wo ihm das noch gut gelingt, und steigern die Schwierigkeit nach und nach.
Eine lange Suche ist dabei nicht automatisch die bessere Übung. Wenn Dein Hund nicht mehr weiterweiß oder müde wird, hat er mehr von einer Pause oder einer leichteren Aufgabe.
Mehr Zutrauen für unsichere Hunde
Gerüche können Freude, Aufregung oder Unbehagen auslösen. Sie sind mit Erfahrungen verknüpft. Beim Mantrailing soll Dein Hund die Suche mit etwas Angenehmem verbinden: Er findet die Person und bekommt eine Belohnung, über die er sich freut.
Auf dem Weg dorthin darf er selbst suchen und Entscheidungen treffen. Wenn er eine Schwierigkeit bewältigt, erlebt er, dass er etwas ausrichten kann. Gerade einem ängstlichen Hund können solche Erfahrungen helfen, sich mehr zuzutrauen.
Dafür braucht er einen Ort, an dem er sich überhaupt auf die Suche einlassen kann. Und eine Versteckperson, die ihn am Ziel nicht bedrängt. Wenn Dein Hund fremde Menschen unheimlich findet, wird er dort nicht zur Begrüßung durchgeknuddelt. Wir halten den Abstand, den er braucht, und wählen eine Belohnung, mit der er sich wohlfühlt.
Ob Dein Hund dadurch auch im Alltag sicherer wird, lässt sich nicht zu 100% versprechen. Bei ausgeprägten Ängsten kann zusätzliche Verhaltensberatung nötig sein. Trotzdem kann Mantrailing ihm eine Beschäftigung bieten, die er gern macht und bei
der er eigene Erfolge erlebt.
Was Du am anderen Ende der Leine lernst
Beim Spaziergang entscheidest meistens Du, wo es langgeht. Beim Mantrailing musst Du Dich daran gewöhnen, Deinem Hund zu folgen. Das fällt besonders dann schwer, wenn Du Dir ziemlich sicher bist, dass die Versteckperson rechts sitzen müsste. Dein Hund möchte aber nach links.
Stell Dir vor, er kommt an eine Abzweigung, wird langsamer und prüft beide Seiten. Wenn Du ihn jetzt in Deine vermutete Richtung lenkst, nimmst Du ihm womöglich die Gelegenheit, selbst weiterzusuchen. Zunächst lohnt es sich, stehen zu bleiben, hinzusehen und ihm Zeit zu lassen.
Ich helfe Dir im Training, sein Verhalten einzuschätzen. Wir achten darauf, wann er sein Tempo ändert, wie er sucht und was kurz davor passiert ist. Eine einzelne Bewegung bedeutet nicht bei jedem Hund dasselbe. Du lernst nach und nach, die Suche Deines Hundes genauer zu beobachten.
Dabei wächst oft auch der Respekt vor dem, was er kann. Eben dachtest Du noch, er hätte die Spur verloren. Dann findet er einen Hinweis, sucht weiter und kommt bei der richtigen Person an. Du hast ihn begleitet, ohne die Spur selbst riechen zu können.
Solche gemeinsamen Erfolge können Eure Bindung stärken. Dein Hund bekommt Deine Unterstützung und die Zeit, die er zum Suchen braucht. Du lernst, ihm mehr zuzutrauen und zu erkennen, wann er Hilfe benötigt. Mantrailing ist halt Teamarbeit!
So fangt Ihr mit Mantrailing an
Wie der erste Trail aussieht, hängt vom Hund ab. Häufig beginnen wir so:
Die Versteckperson wird interessant. Dein Hund lernt, dass bei ihr etwas Gutes auf ihn wartet. Dafür nutzen wir Futter, das er wirklich gern mag. Das darf gerne etwas Besonderes sein.
Die Person geht ein kurzes Stück voraus. Am Anfang darf Dein Hund je nach Aufbau noch sehen, wie sie losgeht. Wir führen ihn an den Geruchsartikel heran und verknüpfen ein Startsignal mit der Suche.
Du übernimmst die Leine. Dein Hund sucht im Geschirr an einer langen Leine. Du übst, sie sicher zu führen und ihn beim Suchen nicht ständig in eine Richtung zu lenken.
Am Ziel bekommt Dein Hund seine Belohnung. Danach ist Pause. Wir schauen, wie die Suche für ihn war und ob er noch einen weiteren kurzen Trail machen sollte.
Später können die Strecken länger werden, die Umgebung wechseln oder die Spuren älter sein. Wir verändern nicht alles auf einmal. So lässt sich auch besser erkennen, was Dein Hund schon verstanden hat und wo er noch Unterstützung braucht.
Was Ihr fürs Training braucht
Für den Anfang brauchst Du:
ein gut sitzendes Geschirr, in dem sich Dein Hund frei bewegen kann;
eine geeignete lange Leine;
eine Belohnung für Deinen Hund, Wasser und einen Napf;
feste Schuhe und Kleidung, die zum Wetter passt;
einen ruhigen, bei der jeweiligen Witterung geeigneten Platz für die Pausen.
Welche Leine und welches Geschirr sich für Euch eignen, besprechen wir vor dem Training. Auch den Geruchsartikel sprechen wir ab. Schau also erst einmal, was Du schon hast, bevor Du neue Ausrüstung kaufst.
Warum die Pausen dazugehören
Ein kurzer Trail kann anstrengender sein, als er von außen aussieht. Dein Hund muss die Spur verfolgen und mit allem zurechtkommen, was unterwegs noch passiert. Wer in einer Gruppe trainiert, wartet außerdem, während die anderen Teams suchen. Auch das kann aufregen.
Wir achten deshalb darauf, wie es Deinem Hund zwischen den Suchen geht. Kommt er zur Ruhe? Kann er danach wieder konzentriert anfangen? Wenn er immer unruhiger wird oder kaum noch bei der Sache ist, kann es für diesen Tag genug sein.

„Noch eine Runde, damit er endlich müde wird“ hilft dann selten weiter. Gerade junge Hunde wirken manchmal besonders munter, obwohl ihnen eine Pause fehlt. Darauf gehe ich auch im Artikel Warum beißt mein Welpe? ein.
Wenn Dein Hund beim Suchen nicht weiterkommt
Dein Hund bleibt stehen, schaut Dich an oder beschäftigt sich mit etwas anderem. Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht war die Suche zu schwer oder etwas in der Umgebung lenkt ihn ab. Vielleicht braucht er eine Pause. Wir prüfen auch, ob er verstanden hat, was er suchen soll, ob die Belohnung für ihn stimmt und ob er sich wohlfühlt.
Wenn Du unsicher wirst, ist es verlockend, mehr zu rufen und zu zeigen. Deinem Hund hilft das aber nicht unbedingt. Wir schauen lieber, an welcher Stelle er nicht weiterkam, und machen es ihm dort leichter. Manchmal ist es auch sinnvoll, die Übung zu beenden.
Eine Suche darf schiefgehen. Daraus können wir für den nächsten Versuch etwas lernen, ohne Deinen Hund durch die restliche Strecke zu schicken.
Häufige Fragen zum Mantrailing
Muss mein Hund dafür schon perfekt an der Leine laufen?
Nein. Du musst ihn sicher halten und begleiten können. Alles Weitere, auch den Umgang mit der langen Leine, üben wir im Training.
Leidet die Leinenführigkeit im Alltag durch das Ziehen beim Mantrailing?
Zug auf der Trail-Leine heißt nicht, dass Eure Leinenführigkeit im Alltag darunter leiden muss. Hunde können lernen, die Sucharbeit vom normalen Spaziergang zu unterscheiden.
Ein eigenes Suchgeschirr und deutliche Start- und Endsignale helfen dabei. Sie kündigen an, wann gesucht wird und wann die Suche vorbei ist. Während des Trails ist eine gewisse Leinenspannung Teil der Arbeit. Auf dem Spaziergang übst und belohnst Du weiterhin das Gehen an lockerer Leine. Dein Hund kann beides lernen, wenn Du ihm den Unterschied verständlich machst.
Wie lange sollte mein Hund suchen?
Das hängt von seiner Erfahrung, der Aufgabe und seiner Tagesform ab. Auch das Wetter spielt mit hinein. Wir starten mit kurzen Suchen und machen dazwischen Pausen. Ein Gruppentermin dauert deshalb deutlich länger als die Zeit, in der Dein Hund tatsächlich sucht.
Kann ich Mantrailing allein ausprobieren?
Du brauchst mindestens eine weitere Person, die Dein Hund suchen kann. Für den Einstieg ist zusätzlich eine fachliche Anleitung sinnvoll. Dabei lernst Du, mit dem Geruchsartikel umzugehen, die Aufgabe richtig einzuschätzen und Deinen Hund zu beobachten. Was Ihr später selbstständig üben könnt, besprechen wir im Training.
Wird mein Hund dadurch ein Rettungshund?
Ein Freizeitkurs macht Deinen Hund noch nicht zum einsatzfähigen Rettungshund. Für reale Vermisstensuchen braucht das ganze Team eine entsprechende Ausbildung und Prüfung. Der GHV Wandsbek erklärt die Unterschiede zwischen Sport und Rettungshundearbeit.
Dein Online-Einstieg ins Mantrailing
Wenn Du vor der ersten Suche mehr darüber erfahren möchtest, kannst Du mit meinem Online-Einstieg für Mantrailing-Anfänger:innen beginnen.
Ich erkläre dort, wie die Personensuche funktioniert, was Dein Hund mit seiner Nase leistet und was Du beim Begleiten wissen solltest. Du findest das Angebot als Mantrailing-Theorie auf unserer Kursseite.
Mantrailing in Berlin beim Hundesyndikat
Im praktischen Training begleite ich Dich und Deinen Hund in einer kleinen Gruppe. Wir treffen uns meist in Lichtenberg, Karlshorst oder Friedrichshain. Du lernst, Deinen Hund bei der Suche zu lesen und mit der Leine umzugehen. Die Trails lege ich so an, dass sie zu dem passen, was Ihr schon könnt.
Und es macht einfach Freude, dieses Geruchsrätsel gemeinsam zu lösen. Du verfolgst die Suche, rätselst an einer Abzweigung vielleicht selbst mit und freust Dich, wenn Dein Hund die Person findet.
Alles zum praktischen Training findest Du bei unseren Mantrailing-Angeboten auf der Kursseite.
Wenn Du anfangen möchtest oder noch Fragen hast, schreib mir kurz, wer Ihr seid. Erzähl mir von Deinem Hund und davon, was Euch am Mantrailing interessiert. Dann schauen wir gemeinsam, wie Ihr einsteigen könnt.

Über Julian Lima Samayoa
Er arbeitet gewaltfrei, bedürfnisorientiert und alltagsnah, mit dem Ziel, Verhalten nicht einfach abzustellen, sondern zu verstehen, warum es entsteht und was Hund und Mensch wirklich weiterhilft. Das Hundesyndikat bietet Hundetraining und Verhaltensberatung in Berlin.
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